Der verbreitete Satz „das ATS sortiert dich aus“ ist dabei zu einfach. In den meisten Systemen wird nicht automatisch abgelehnt. Was aber passiert: Wenn das Zerlegen misslingt, kommt beim Menschen ein lückenhafter Datensatz an — und dagegen kann kein noch so guter Inhalt etwas ausrichten.
Was beim Zerlegen schiefgeht
Die Software liest keine Seite, sondern eine Textstruktur. Alles, was Gestaltung ist und nicht Struktur, kann dabei verloren gehen oder in der falschen Reihenfolge landen.
Am häufigsten trifft es diese Elemente:
- Zweispaltige Layouts: Der Text wird zeilenweise gelesen und die Spalten dabei ineinander verschachtelt. Aus „Berufserfahrung“ links und „Kenntnisse“ rechts wird ein Mischmasch.
- Kopf- und Fußzeilen: Kontaktdaten, die dort stehen, fehlen anschließend häufig komplett.
- Icons und Symbole für Telefon, E-Mail oder Adresse: Sie tragen keine Textbedeutung. Steht neben dem Symbol keine Beschriftung, fehlt die Zuordnung.
- Zeitstrahlen und Diagramme: Grafisch dargestellte Zeiträume oder Sprachniveaus sind für die Software nicht vorhanden.
- Tabellen für den Werdegang: Je nach System werden Zellen in unerwarteter Reihenfolge ausgelesen.
- Text in Bildern: Ein als Grafik eingebetteter Lebenslauf enthält für das System gar keinen Text.
Was du stattdessen tust
Die gute Nachricht: Ein maschinenlesbarer Lebenslauf muss nicht schmucklos aussehen. Er braucht nur eine klare Struktur unter der Gestaltung.
- Eine Spalte für den Hauptteil. Farbflächen, Linien und ein zurückhaltender Akzent sind unproblematisch — es geht um den Textfluss, nicht um Schlichtheit.
- Kontaktdaten im normalen Textbereich, nicht in der Kopfzeile.
- Übliche Abschnittsüberschriften: „Berufserfahrung“, „Ausbildung“, „Kenntnisse“. Kreative Bezeichnungen wie „Mein Weg“ erschweren die Zuordnung.
- Gängige Schriften wie Arial, Calibri, Helvetica oder Georgia in 10 bis 12 Punkt. Exotische Schriften können beim Einbetten Zeichen verlieren.
- PDF als Format — sofern nicht ausdrücklich Word verlangt wird. Entscheidend ist, dass sich der Text im PDF markieren lässt.
- Die Berufsbezeichnung ausschreiben, unter der die Stelle ausgeschrieben ist. Danach wird gesucht.
Der einfachste Selbsttest
Es braucht kein Werkzeug, um den schlimmsten Fall auszuschließen: Öffne dein PDF, markiere den gesamten Text mit Strg+A beziehungsweise Cmd+A, kopiere ihn und füge ihn in ein leeres Textdokument ein.
Was du dort siehst, ist ungefähr das, was die Software sieht. Steht der Text in sinnvoller Reihenfolge? Sind die Kontaktdaten dabei? Sind Stationen und Zeiträume beieinander? Wenn dieser Text unbrauchbar ist, ist es der Datensatz beim Arbeitgeber auch.
Fällt der Test durch, liegt es fast immer an einem der Punkte oben — meist an zwei Spalten oder an Angaben in der Kopfzeile.
Wo Vorlagen aus dem Netz scheitern
Viele frei verfügbare Vorlagen sind auf optische Wirkung ausgelegt: zwei Spalten, Icons, Fortschrittsbalken für Sprachkenntnisse, ein Zeitstrahl am Rand. Genau diese Elemente sind es, die beim Zerlegen verloren gehen.
Das heißt nicht, dass jede Vorlage untauglich ist. Prüfe sie mit dem Kopiertest, bevor du deine Inhalte hineinschreibst — hinterher ist der Umbau aufwendiger.
Auch Canva, PowerPoint und Bildbearbeitungen erzeugen häufig PDFs, deren Text nicht sauber extrahierbar ist. Ein Textprogramm ist für diesen Zweck die sicherere Wahl.
Häufige Fragen
- Werde ich vom ATS automatisch aussortiert?
- In den meisten Systemen nicht. Sortiert und gefiltert wird vom Menschen — aber auf Basis der Daten, die die Software extrahiert hat. Ein schlecht lesbares Dokument führt deshalb zu einem lückenhaften Profil, nicht zu einer automatischen Absage.
- PDF oder Word?
- PDF, sofern nichts anderes verlangt wird. Es hält die Formatierung stabil und wird von allen gängigen Systemen gelesen — vorausgesetzt, der Text ist darin markierbar.
- Darf ich Farben und ein Logo verwenden?
- Ja. Farbflächen und ein zurückhaltendes Design stören nicht, solange der Textfluss einspaltig bleibt und keine Informationen ausschließlich grafisch dargestellt werden.
- Was ist mit Keyword-Stuffing?
- Begriffe in weißer Schrift zu verstecken oder Schlagwortlisten anzuhängen, fällt spätestens beim Menschen auf und kostet die Bewerbung. Passende Begriffe gehören in die Beschreibung deiner Aufgaben — dort, wo sie belegt sind.
