Die verbreitete Ein-Seiten-Regel stammt aus dem angelsächsischen Raum und passt hier nicht. Wer fünfzehn Jahre gearbeitet hat und alles auf eine Seite presst, verliert genau die Substanz, nach der gesucht wird.
Der Richtwert und was ihn sprengt
Eine Seite genügt beim Berufseinstieg. Zwei bis drei Seiten sind der Normalfall mit Berufserfahrung. Ab der vierten Seite entsteht ein anderes Problem als fehlender Platz: Der Eindruck kippt.
Denn Länge entsteht meist nicht durch inhaltliche Tiefe, sondern durch viele Stationen, die alle gleich ausführlich behandelt werden. Und genau das erzeugt beim Überfliegen den Eindruck von Sprunghaftigkeit.
Die Lösung ist deshalb keine kleinere Schrift und kein engerer Zeilenabstand, sondern Verdichtung: Ältere und kürzere Stationen werden zusammengefasst, die letzten zwei bis drei bleiben ausführlich.
Aus der Praxis
„Ein Lebenslauf sollte idealerweise immer nur zwei bis drei Seiten haben. Alles andere muss zusammengefasst werden — vor allem, wenn man sehr viele Wechsel hatte.“
Richtig kürzen, ohne etwas zu verschweigen
Kürzen heißt nicht, Stationen wegzulassen. Lücken fallen auf und erzeugen Rückfragen. Es heißt, den Detailgrad nach Relevanz zu staffeln:
- Letzte Position: vier bis sechs Aufzählungspunkte mit Aufgaben und Erfolgen.
- Vorletzte und vorvorletzte: drei bis vier Punkte.
- Alles zwischen fünf und zehn Jahren: ein bis zwei Punkte, nur das Prägende.
- Älter als zehn bis fünfzehn Jahre: eine Zeile mit Position, Firma und Zeitraum — ohne Aufzählung.
- Mehrere Positionen beim selben Arbeitgeber: ein Eintrag mit Gesamtzeitraum, darunter die Rollen als Unterpunkte. Aus vier Blöcken wird einer.
- Sehr frühe Aushilfs- und Nebenjobs ohne Bezug: eine Sammelzeile wie „2008–2011 verschiedene Nebentätigkeiten neben dem Studium“.
Wie weit zurück?
Der Werdegang soll lückenlos sein — aber nicht gleichmäßig ausführlich. Wer zwanzig Jahre Berufserfahrung hat, zeigt die letzten zehn bis fünfzehn im Detail und fasst davor zusammen.
Die Ausbildung bleibt immer drin, egal wie lange sie zurückliegt. Die Schule verschwindet, sobald ein Berufsabschluss vorliegt: Der höchste Abschluss genügt.
Bei sehr langen Werdegängen ist eine Zwischenüberschrift wie „Frühere Stationen“ sinnvoll — sie signalisiert, dass hier bewusst verdichtet wurde, und nicht, dass etwas fehlt.
Was die Länge künstlich aufbläht
Bevor du an Stationen kürzt, prüfe diese vier Platzfresser:
- Der Block mit persönlichen Eigenschaften — wird ohnehin überlesen und kostet oft ein Drittel einer Seite.
- Ein separates Deckblatt: eine ganze Seite für Name und Foto, die niemand braucht.
- Ausformulierte Sätze in der Berufserfahrung statt Stichpunkten.
- Hobbys und Interessen in ausführlicher Form.
Häufige Fragen
- Sind drei Seiten zu viel?
- Nein, bei entsprechender Berufserfahrung sind drei Seiten normal. Entscheidend ist, dass die letzten Stationen ausführlich und die älteren verdichtet sind — nicht die Seitenzahl an sich.
- Muss ich wirklich jede Station aufführen?
- Ja, sonst entstehen Lücken. Aber viele davon dürfen zu einer Zeile schrumpfen oder unter einem Sammeleintrag zusammengefasst werden.
- Darf ich Schrift und Ränder verkleinern, um auf zwei Seiten zu kommen?
- Bis zu einem gewissen Grad — unter 10 Punkt Schriftgröße und unter zwei Zentimeter Rand wird es unangenehm zu lesen. Wer so weit gehen muss, hat ein Inhalts- und kein Layoutproblem.
